entwicklung | innovation | information | shared website

Alpine Rettungsgeräte

info icon For the english version of this page please click here. If this does not work, click on the EN – flag at the top of the page to change the general language of this web page to english and next click on „Alpine Rescue Gear“ in the menu bar.

Ing. Egon Veit
30 Jahre Entwicklung für die Bergrettung

Nach Abschluß der HTL Maschinenbau (mit Ausscreenshot_videozeichnung) und des kaufmännischen Kollegs an der Handelsakademie Innsbruck hatte ich eigentlich genug von der Theorie. Als nächstes Ausbildungsziel steuerte ich Bergführer an. Durch einen Zufall bekam ich eine Tätigkeit bei Tyromont angeboten. Berg, Technik und Kaufmännisches zu verbinden klang interessant, TYROMONT war zu dieser Zeit allerdings eher am Stand der 1960´er Jahre. Neben Bergrettungsgeräten wurden altmodische Baugerüste und ähnliches produziert.

Aber die Arbeit an Bergrettungsgeräten interessierte mich, und so wagte ich ich einen Versuch. Ich war damals 23.

Großartige Menschen und Bergretter, allen voran Hannes Zechel, Klaus Springfeld, Walter Offner,  die gesamte Ortsstelle Axams und viele mehr halfen mir, alle technischen Aspekte der Bergrettung kennenzulernen.

So kam der Techniker in mir wieder hervor, und es entstanden, motiviert durch meine Lehrmeister, erste Ideen für neue Geräte:

Ein Problem zu dieser Zeit war, daß auf den damals gebräuchlichen Gebirgstragen Verletzte nicht horizontal mit den „neuen“  Vakuummatratzen transportiert werden konnten.

Ich machte mir so meine Gedanken, diskutierte sie mit meinen Freunden, und so entstand mein erstes „Baby“.

1989: Gebirgstrage Vario

Die von TYROMONT seit den 1960Bilder_Picture.pdfer Jahren gebaute „Mariner“ Gebirgstrage war total veraltet und litt vor allem an dem Problem, daß eine zeitgemäße horizontale Verletztenlagerung darauf nicht möglich war. Dieses Problem wurde von vielen Seiten an mich „Frischg´fangten“ herangetragen.

 

Also entstand meine erste Neuentwicklung:  Verstellbare Lagerungsplatten in einem der herkömmlichen Gebirgstrage ähnlichen Rahmen ermöglichten eine horizontale Verletztenlagerung unter Beibehaltung der guten Geländeeigenschaften der herkömmlichen Gebirgstrage. Die Gebirgstrage VARIO war entstanden. „Vario“ deshalb, da die Lagerungsplatten hochgeklappt werden konnten, um auch eine der traditionellen Trage ähnliche Verletztenlagerung herstellen zu können. Wie gesagt, ich war noch neu und wollte die Traditionalisten nicht völlig verschrecken.

Bei der ersten Vorstellung auf der österr. Ausbildungsleitertagung auf der Rudolfshütte gratulierte mir einer der „alten Knaben“, zu denen ich weit aufblickte, zu meinem „Gebirgsferrari“, wie er die neue, knallrote Trage nannte. Was für ein Moment für mich Youngster und meine erste Entwicklung! In der Folge wurde diese Trage von nahezu jeder Ortstelle in Österreich, in Südtirol, Italien, in der Schweiz, in Norwegen, Schweden und vielen weiteren Ländern bis nach Afrika eingesetzt.

Dieser erste Erfolg war für mich ein Riesenansporn. Nun war es Zeit für ein Gerät für meine Lieblingsjahreszeit, den Winter:

1990: Akja 2200 plus

Da die Gebirgstrage nun erneuert war, kam die nächste Anforderung, ein in die Jahre gekommenes TYROMONT – Produkt zu erneuern: Der Akja wurde seit Anfang der 1960´er Jahre praktisch unverändert gebaut. Allerdings hat sich seit damals die Ausrüstung der Schifahrer verändert (Kunststoff – Schischuhe), die Menschen sind grösser geworden und Vakuummatratzen wurden zur Verletztenlagerung eingeführt. Nur der Akja blieb unverändert und wurde zu klein für den Verletztentransport. Daher veränderte ich die Form des Akjas und verlängerte den Innenraum auf 2,20 m. Gleichzeitig wurde auch die Griffhöhe um 10 cm erhöht und Griffbügel angebracht, um den Akja besser tragen zu können.

1990: Ein-Mann Akja

Aus einem langen Gespräch mit demakja-combi Leiter der Pistenrettung Lech, Herbert Tschuggnal l, nach der Vorführung des neuen Akja 2200 plus entstand die Idee zu einem Akja, der von nur einem Pistenretter bedient werden konnte. Gleichzeitig ermöglichte die neue Form auch eine ebene Verletztenlagerung mit einer Vakuummatratze im Akja. Dieser Akja, der in kurzer Zeit weite Verbreitung fand, bildete die Basis für meine erste Zusammenarbeit mit der Bergwacht Bayern, die bis heute mit Erfolg anhält:

1991: Akja „Bayern“

Entstanden in enger Zusammenarbeit mit meinem hoch geschätzten Freund und Lehrmeister, dem leider verstorbenen  Bene Götzfried, vereinte dieser Rettungsschlitten die Fahreigenschaften des Ein-Mann Akjas mit der Möglichkeit zum Zwei-Mann Betrieb in schwierigem Gelände. Dieser Akja wird bis heute gebaut und in der ganzen Welt eingesetzt.

1992 Entstehung der Textilsparte TYROMONT.

Obwohl selbst von unseren Eigentümern belächelt, ließen sie mich gewähren und eine erste kleine Näherei aufbauen, um die bisher auswärts gefertigten Textilprodukte im Haus und damit flexibler herstellen zu können. Dem allgemeinen Zeitgeist entsprechend sagte damals praktisch Jeder: „Wie kannst Du hier einen Näherei aufbauen, wo jetzt Näharbeiten in Tschechien, Polen oder Rumänien viel billiger hergestellt werden können?“ Die im-Haus „Produktion“ ermöglichte aber meine erste Bergesack – Entwicklung:

1992 Luftrettungssack REGA Modell Jungfrau

jungfrauBenannt nach einem der bekanntesten Berge der Schweiz und mit riesiger Unterstützung  durch meine Freunde Hans Giacomet und Luciano Gähwiler, entstand der erste Bergesack mit 10-Punkt Seilaufhängung. Gegenüber den bisherigen Bergesäcken mit 4 Aufhängungsgurten pro Seite brachte die Aufhängung an 10 Seilen gewaltige Vorteile sowohl im Flugverhalten als auch im Lagerungskomfort für den Patienten. Diese Aufhängung ist in ihren Grundzügen die Basis aller heutigen Bergesäcke. Danke Lucio und Hans! Jeder Hubschrauber der REGA wurde mit diesem Bergesack ausgestattet, dazu viele weitere weltweit.

Nun lag wieder etwas „Bodenständiges“ an:

Die rasante Entwicklung der sog. halbstatischen Seile, also von Kern-Mantel Seilen mit geringer Dehnung eröffnete neue Möglichkeiten in der terrestrischen Rettung. Seit einiger Zeit war bekannt, daß die zu dieser Zeit allgemein eingesetzten Stahlseile eine eigentlich viel zu geringe Sicherheitmarge bieten. Nur durch die Erfahrung der Bergretter und manchmal einfach Glück war es zu keinen größeren Unfällen gekommen. Die neuen Halbstatik – Seile(=Faserseile) boten eine wesentlich höhere Bruchlast, bei gleichzeitigen wesentlichen Nachteilen wie erhöhter Seilreibung am Fels, höherer Anfälligkeit bei Steinschlag, etc. Der größte Nachteil aber war, daß keine Geräte für deren Einsatz vorhanden waren. Das junge und enorm engagierte Ausbildnerteam der Bergrettung Vorarlberg um Pablo Barbisch (heute IKAR – Kommissionspräsident), Rainer Märk, Rainer Schuchter und Leander Bitschnau wollte dies unbedingt ändern, und so entstand eine wunderbare Zusammenarbeit:

1993 Hyperbol – Abseilgerät:

Ermöglichte das Abseilen mit zwei Statikseilen an einem Gerät. Damit wurde insbesondere die Anfälligkeit der Statikseile auf Steinschlag verringert. Ersetzte in kurzer Zeit die Stahlseil – Bremsscheibe und ebnete den Weg für einen breiteren Einsatz von Halbstatik – Seilen.

Doch das wichtigste und schwierigste Element fehlte noch: Eine Winde zum Auf- und Abseilen von Retter und Verletztem, analog zur jahrzehntelang eingesetzten Stahlseilwinde. Hier betraten wir absolutes Neuland. Meine Erfahrung als Segler seit Kindheit half, und so begannen wir mit Segelwinchen zu experimentieren. So entstand die Zusammenarbeit mit HARKEN, dem weltweit wohl renommiertesten Hersteller von Segelequipment. Speziell die HARKEN – Vertretung in Deutschland, die Peter Frisch GmbH, unterstützte uns vom ersten Moment an, die Zusammenarbeit dauert bis heute an.  Nach vielen Tests und vielen langen Gesprächen entstand so – Danke Rainer, Pablo, Rainer, Leander, sowie Eddy Eich und Thomas Schnell bei Peter Frisch.

1994 Faserseilwinde Modell Silvretta

fsw1Ein Riesenerfolg! Nach anfänglichen „Religionskriegen“ Stahlseil vs Faserseil begann der Siegeszug dieser Bergetechnik – weltweit. Mit entscheidend für den Erfolg der Faserseilwinde war der integrierte, selbsttätige Seilstop, der mir während eines Konzertes der Gruppe STS einfiel. Konsequenterweise heißt diese Sicherungseinrichtung STS (SelbstTätiger Seilstop).

Innerhalb weniger Jahre stellten praktisch alle Bergrettungsorganisationen auf Faserseile um. Die Faserseilwinde Silvretta ist auch heute noch in zahllosen Rettungsstationen im Einsatz, daneben auch beim Militär, in industriellen Anwendungen, etc.

Das Gerät wird in seiner technischen Grundkonzeption nach wie vor produziert.

Nach längerer Vertrauensbildung (u.a. durch die Einführung der Silvrettawinde) kam es endlich zu einer engeren Zusammenarbeit mit der von mir hochgeschätzten Bergwacht Bayern. Die Gerätekommission um Präsident Willi Beeker, Babtist Kocher, Bene Götzfried und viele andere geschätze Weggefährten entschied, die Entwicklung eines vollkommen neuen Gebirgstragenkonzeptes an TYROMONT auszulagern. Unter Federführung des Chiemgauer Bergwachtlers  Manfred Steffl entstand.

1995 Die völlig neue Gebirgstrage SRS (=SchutzReling System)

Bilder_Picture.pdfDiese Gebirgstrage war weltweit revolutionär. Erstmals konnte auch ein 2 m großer Verletzter vollkommen horizontal, gelagert in einer Vakuummatratze und geschützt durch die umlaufende Stahlreling transportiert werden. Auch ein Radsystem mit Scheibenbremse erleichterte die Arbeit der Bergretter nun wesentlich. Über die Bergwacht Bayern hinaus verbreitete sich diese Gebirgstrage weltweit und ist auch heute noch in vielen Rettungsstationen anzutreffen. Die Grundform der Gebirgstrage SRS ist bis heute in allen TY Gebirgstragen zu finden.

1995,1996

Übersiedlung der kompletten TYROMONT an den neuen Standort Innsbruck, Sillschlucht: Der Betriebsstandort in dem historischen Lobkowitzgebäude der Saline musste aufgebeben werden, da der Boden unter der schweren Blech – Schlagschere plötzlich eingebrochen war. Der Grund war ein unterirdischer Solekanal aus dem Mittelalter, der unter der Belastung unserer gesteigerten Produktion eingesunken war. Sämtliche Maschinen mussten also innerhalb kürzester Zeit an den neuen Standort übersiedelt, eingerichtet und für die neue Produktion fit gemacht werden. Eine Herkulesaufgabe im wahrsten Sinn des Wortes bei unseren alten, schweren Maschinen. Büro und Lager übersiedelten vorerst in die Köllensperger Eisenwaren nach Thaur und folgten erst ein Jahr später nach.

1996  

Kam mein Sohn und Sonnenschein Egon auf die Welt. Gottseidank sind wir seit da Freunde für´s Leben geworden, daher steht dieser Text auch auf unserer gemeinsamen Homepage. Egon absolvierte 2019 ein Praktikum bei Tyromont im Rahmen seiner Bachelorarbeit.

1997 Bergesack Aiut Alpin mit Innenbegurtung

Die Legende Raphael Kostner, Chef der Aiut Alpin im Grödnertal hatte als erster die Idee, den Bergesack mithilfe einer integrierten Begurtung für die Fixierung des Patienten direkt am Boden der Kabine des Hubschraubers einzusetzen. Gemeinsam mit Karl Höfler, einem Urgestein beim Hubschrauberhersteller MBB (heute Airbus Helicopters) wurde diese Begurtung konzipiert und in den Hubschraubersack mit 10 – Punkt Aufhängung integriert. Wie zukunftsweisend diese Idee war zeigt sich daran, daß eine Begurtung im Bergesack zur Verletztenfixierung heute bei vielen Rettungsorganisationen weltweit eingesetzt wird.

1998 Bergesack Christophorus

christophorus-tyr-iiDie ÖAMTC Christophorus Flugrettung, unser erster Kunde und Entwicklungsparter für Hubschraubersäcke, entschloß sich auf Initiative ihres damaligen, sehr umtriebigen Alpinausbildners Joe Redolfi, ihre große Bc1-einsatzergesackflotte komplett zu erneuern. Joe hatte sehr vele Anforderungen und Ideen, so entstand ein sehr vielseitiger, flugstabiler und einfach zu bedienender Bergesack.

Er geriet so gut, daß der Bergesack Christophorus bis heute die Basis aller TYROMONT Bergesacke ist.

Abgestimmt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Anwenders gibt es heute ca. Bergesackvarianten, die alle vom Typ Christophorus abstammen.

2000 Bergesack Christophorus EVO

Aus den Erfahrungen im Einsatz des Bergesackesc1-sack Christophorus entstanden zusätzliche Verbesserungsideen (Joe Redolfi hatte noch nicht genug), und so wurden zahlreiche zusätzliche Features wie Stabilisierungsleisten für den oberen Wirbelsäulenbereich, eine Stabilisierung der Kopföffnung, seitliche Schutzpolster und noch mehr. Vor allem aber sollte eine neue Vakuummatratze speziell für den Flugrettungsbedarf für diesen Bergesack konzipiert werden.

Dies führte zur…

2001 Zusammenarbeit mit Kohlbrat und Bunz

Kohlbrat & Bunz hatten mit ihren neuen REDVAC – Matratzen vom Bauprinzip her genau das, was sich Redolfi vorstellte. Bisher waren wir aber Konkurrenten am Markt, trotzdem hatte ich zu den Eigentümern von K&B, Christine Dzionara und Hakan Rugfeld ein gutes Gesprächsverhältnis. Am IKAR – Kongress in Makarska machte Christine Dzionara den ersten Schritt und schlug vor, zusammenzuarbeiten. In einer kroatischen Konoba wurde es daraufhin recht spät und und wir beschlossen eine Kooperation, die bis heute anhält. Als erstem Schritt entstand die…

2001 Vakuummatratze 80 mit Fixiergurtsystem, damals die erste Vakuummatratze mit Patientenbegurtung und Vielkammer – System.

Nun musste wieder einmal etwas für den Winter getan werden. Der grösser werdenden Beliebtheit des Canadier Rechnung tragend entwickelte ich den…

2002 Canadier mit Bremssystem

bremscanEs gab schon einmal,  Mitte der 1980ér Jahre, einen Canadier mit einem Bremssystem. Das System funktionierte durch Drehen der Holme und bremste sehr effektiv. Der Fehler an diesem System war, das die vertikal ausfahrenden Bremskrallen bei Kontakt mit einem harten Gegenstand am Untergrund schnell abbrachen bzw. das Bremsgehäuse zerstörten.

 

Grundsätzlich ist ein Bremssystem für einen Ein – Mann Rettungsschlitten wie den Canadier natürlich eine sehr sinnvolle Ergänzung, also begann ich an einer anderen Lösung zu arbeiten:

Mit einem durch Heben und Senken der Griffe aktiviertes Bremssystem mit um die Längsachse ausschwenkenden Bremskrallen war dieses Problem gelöst. Da diese Krallen aus Eisgerät – Hauen gebaut sind, kann dieser Rettungsschlitten auch auf vereisten und extrem harten Pisten sicher von einer Person bedient werden. In seinen Grundzügen, verbessert in aus der Praxis gewonnenen Erfahrungen und mittlerweise wesentlich leichter, wird dieses System auch heute noch am aktuellen Canadier mit Bremssystem eingesetzt.

2004  Anfang 1-2-3 Bein

dreibein-iiDer damalige Geschäftsführer und Ausbildungsleiter der Bergrettung Tirol, Peter Veider, hatte die Idee für ein leichtes, tragbares System, um das Arbeitsseil nicht direkt über den Boden zu führen. Dieses „Einbein“ sollte die Seilreibung zu verringern und die Steinschlaggefahr für das Seil zu minimieren. Drei dieser „Beine“ sollten über ein Verbindungsteil ein tragbares Dreibein für die Spaltenrettung zusammengestellt werden können. Dazu waren natürlich eine Anzahl völlig neuer Detaillösungen notwendig. Für die Standbeine kam aufgrund der Gewichtsanforderung eigentlich nur Kohlefaser in Frage. Allerdings war dies in der Bergrettung völliges Neuland, und so entbrannten aufgrund des Materials und der revolutionären Funktion sehr kontoversielle Diskussionen.

Das 3-Bein für die Spaltenrettung fand zweibeintrotzdem rasch Anerkennung, das 1-Bein für Felsgelände stellte sich aber als zu kompliziert in derAnwendung heraus.

Also entwickelten wir ein Zweibein aus demselben System, das sich dann als vielseitiges Gerät bewährte. Es sollte später in meinem Leben noch 2 Mal eine recht zentrale Rolle spielen…

2005 Absturz Nygardsbren

nygaardsbrenPeter Veider und ich wurden von der Bergrettung Norwegen zu einer Vorführung des Dreibeinsystems auf den Nygardsbren (Gletscher) eingeladen. Es regnete den ganzen Tag in Srömen, das Eis war blank, die Bekleidung nass und der Kopf beim Abstieg müde. Ich stieg mir mit dem Steigeisen in meine durch die Nässe etwas länger gewordene Hose, stürzte und rutschte gut 30 m über eine ca. 45 Grad steile, blanke Eisflanke, wobei ich das auf der Schulter getragene Dreibein über den halben Gletscher verteilte. Unten erwartete ich einen heftigen Einschlag in die großen Granitblöcke am Rand des Gletschers. So war es auch, doch ein gütiges Schicksal legte mir eine große Granitplatte so günstig hin, daß ich darauf abrollte. Ich war zwar von Hämatomen ziemlich bedeckt, konnte aber auf eigenen Beinen weiter ins Tal gehen. Eine norwegische Geburtstagsfeier mit einer ordentlichen Menge Ringnes erledigte den Rest. Glück gehört dazu!

2005 Anhängevorrichtung Akja

Schidoos wurden in zunehmendem Maß für den Verletztentransport in Schigebieten eingesetzt, speziell für die oft langen Verbindungsstrecken in großen Schischaukeln. Allerdings war nur ein sitzender Transport möglich. Also konstruierte ich eine Anhängevorrichtung, die es erlaubte einen Akja sicher hinter einem Schidoo zu ziehen. Damit der Verletzte dabei nicht durch den aufgewirbelten Schnee schockgefroren wurde, folgte kurz danach die klappbare Schutzhaube.

2006, 2007

DI Rainer Daubeck (heute Professor), damals Lektor an der FH Wels, initiierte im Rahmen seines Lehrganges für Produktentwicklung und –management ein Entwicklungsprojekt für ein neuartiges Rettungsgerät für alpines Gelände. Gemeinsam mit den Studenten der FH Wels entstand somit die…

2007 Gebirgstrage light.

lightLeichter und kompakter als die SRS, mit neuer, gemeinsam mit der FH Wels entwickelter Griffmechanik schloss diese Gebirgstrage nahtlos an den Erfolg der bisherigen Gebirgstragen an. Die zweite Generation erhielt ein neues Rollen – Bremssystem. Auch diese Gebirgstrage wurde und wird noch heute von zahlreichen Bergrettungsorgaisation weltweit eingesetzt. Darüber hinaus kommt sie auch bei Baustellen in unwegsamem Gelände, im Tunnelbau und anderen Gelegenheiten zum Einsatz, an die ich ursprünglich gar nicht gedacht habe.

2007 Rettungsanhänger für Schidoo

rettungsanhaenger-iAuf der IKAR 2007 in Pontresina hatten Artur Köb von der Bergrettung Vorarlberg und ich einen langen Abend, an dem die Grundidee für einen als reines Rettungsgerät konzipierten Anhängerschlitten für Schidoo oder Quad. Artur holte seinen Freund Harald Rehm, Rettungschef in Schröcken mit ins Boot, der auch bald mein Freund war. Gemeinsam entstand in kurzer Zeit der erste Prototyp, aus dem ein in weiterer Folge ein erfolgreiches neues Rettungsgerät wurde.

2008 Bergesack REGA II

Die schweizerische Rettungsflugwacht REGA beschloss als erste Luftrettungsorganisation, bei jedem Einsatz einen Bergesack zur Fixierung des Verletzten in der Kabine zu verwinden. Gleichzeitig sollte dieser Bergesack auch als Windensack einsetzbar sein. Speziell aufgrund des Einsatzes in der Kabine verlangte die REGA eine vollständige Zertifizierung des Bergesackes samt Anbindung der integrierten TSO Gurte an den Stretcher nach der damals gültigen FAR/JAR CS27/29. Darüber hinaus sollte auch die Funktion als Bergesack nach den damals vorhanden Grundlagen zertifiziert werden (die EASA CM-CS 005 existierte damals noch nicht). Damit betraten wir völliges Neuland. Als Partner für diese Zertifizierung konnte ich den damals wohl qualifiziertesten Spezialisten für Zulassungen im Hubschrauberbereich, Enrico Ragoni mit seiner Firma Airwork gewinnen. Auch die REGA wollte Enrico, da er mit der REGA bereits bei einigen Projekten kooperierte.

regaWir arbeiteten also parallel an der Konzeption eines neuen Bergesack nach den sehr konkreten und umfangreichen Vorstellungen der REGA, an der Anbindung der Begurtung an den Stretcher als Teil des Luftfahrzeuges sowie speziell Enrico an der Zertifizierung. Als „Notified Body“ hatte Enrico die SUVA ausgewählt, die sich als vorbildlich qualifizierter und korrekter Ansprechpartner erwies.

Die zu erfüllenden Anforderungen waren komplex, die Papiermenge wuchs und wuchs, aber schließlich hatten wir am…

23.12.2009

Die weltweit erste Baumuster – Prüfbescheinigung für einen Bergesack.

2009 Erste Doppelseilwinde

Auf Anregung von Herbert Streibel von der Bergdsw-vorn-total105wacht Bayern (von dem in der Folge noch
öfter zu lesen sein wird …) entstand durch Spiegeln zweier Winchen auf einem stehenden Träger der erste Prototyp einer Winde zum parallelen Ziehen und Ablassen zweier Seile. Zum Spiegeln mußte eine Winch praktisch „verkehrt herum“ laufen, was ziemliche Probleme beim Bau verursachte. Auch der Betrieb funktionierte noch nicht ganz problemlos, trotzdem war die Vorführung auf der IKAR in Chamonix ein großer Erfolg

Das Leben besteht aber nicht nur aus Entwicklung von Bergrettungsgeräten,

2009 

heirateten Waltraud und ich. Wir kennen uns schon, seit wir 16 waren, vor der Hochzeit waren wir bereits 18 Jahre lang ein Paar. Als sich Waltraud beim Schifahren schwer verletzte, erkannten wir, daß es endlich Zeit zum Heiraten ist. Ich glaube, man kann das als Liebe für´s Leben bezeichnen.

2010

Absturz von der Laderampe am Firmengelände: Klingt nicht dramatisch, hatte aber ziemlich gravierende Folgen: Mein linker Ellbogen war vollkommen zertrümmert, die meisten Bänder zur Steuerung der Hand mit den Trümmern abgerissen und der Medialnerv beschädigt. Die weitere Funktion des Unterarmes war somit fraglich. Zu meinem grossen Glück erklärte sich Dr. Arora (heute Professor) an der Uniklinik Innsbruck bereit, eine Operation zu versuchen. Der Verbrauch an Schrauben und anderen Metallwaren war beträchtlich, aber Dr. Arora schaffte das Kunstwerk und fügte das 3D Puzzle wieder zusammen.

Nach 3 Wochen Krankenhaus, ein paar Monaten mit einem externen Fixateur und insgesamt gut einem Jahr Reha war mein Arm wieder einigermaßen zu gebrauchen.

2010 Neuer Aufbruch mit der Bergwacht Bayern

Nach meiner Rückkehr aus dem Krankenstand im Sommer 2010 fragte ich unsere Sekretärin, was denn an dringendsten Aktionen ansteht. Sie sagte ein Paul Schenk von der Bergwacht Bayern hat schon mehrfach angerufen und wartet auf einen Rückruf. Der Name sagte mir (damals) nichts, ich rief zurück und Paul hatte einige Fragen und Verbesserungsvorschläge zur Anhängevorrichtung, die am Telefon schwer klärbar waren.

Also fuhr ich (mehr oder weniger einhänding, pssst) nach Bad Tölz und traf Paul Schenk, den neuen Gerätereferenten der BW Bayern. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die bis heute anhält.

Die Besuche in Bad Tölz wurden regelmäßig, es gab viel zu tun. Paul Schenk und Herbert Streibel, der Leiter der Ausbildung, hatten jede Menge Ideen und Anforderungen. Bei einem dieser Besuche sagte mir Herbert Streibel, daß die BW Bayern ihre bisherigen Bergesäcke von einem anderen Lieferanten ausmustern will und er eine ganze Reihe an Verbesserungsvorschlägen hat. Manche diese Vorschläge hatten wir bereits in ähnlicher Form bei anderen Bergesäcken realisiert, also fuhr ich das nächste Mal mit einem ganzen Bauchladen an Mustern und einem dicken Schreibblock nach Bad Tölz. Innerhalb von nur einem Tag (!!!) hatten wir das grobe Layout für einen revolutionären neuen Bergesack entworfen, dem…

2010 Bergesack und Luftrettungsack Mod. Bayern

bay-action1Revolutionär war, daß dieser Sack sowohl als Wärmesack in Akja oder Gebirgstrage wie auch als Luftrettungssack eingesetzt werden konnte. Von Anfang an gab es eine Ausführung als Wärmesack, an den eine LR – Aufhängung angehängt werden konnte und eine reine Luftrettungsausführung. Der Sack bekam eine Innenbegurtung zur Sicherung in der Kabine und während des Winchvorganges, aussenliegende Anschlagpunkte zur Befestigung an den verschiedenen Geräten und eine interne Luftführung, damit die Vakuummatratze auch bei geschlossenem Sack abgesaugt werden kann. Die ersten Prototypen zur Erprobung entstanden 2010, die reguläre bay-action3Auslieferung begann 2011. Nach und nach kamen immer mehr Anwender dazu, von der Bundespolizei über Bundeswehr, ADAC, DRF, Bergwachten in nahezu allen Bundesländern (bitte nicht bös sein wenn wer nicht erwähnt ist) bis zu zahlreichen weiteren Kunden weltweit.

Es wäre aber nicht Herbert Streibel, wenn er nicht weiterhin haufenweise Verbesserungsideen gehabt hätte.

Erster Vorschlag zur weiteren Perfektionierung des Systems war
eine Schutzhaube, die den Gesichtsbereich des Verletzten speziell beim Einsatz in der Gebirgstrage schützt.

Dann sollte die Begurtung p1150417um Beinschlaufen ergänzt werden,
damit der Bergesack auch vertikal eingesetzt werden kann. War gar nicht so einfach, eine stabile Hängelage herzustellen, aber Herbert blieb stur…, und heraus kam ein Supersystem, das äußerst universell eingesetzt werden konnte.

Diese Beinschlaufen sollten noch eine große Bedeutung bekommen, siehe später…

2012 Rettungsdreieck TYRAH

tyrahIm Herbst 2011 kam Enrico Ragoni mit einer neuen Herausforderung nach Innsbruck: Die REGA hatte ermittelt, daß bei einem großen Anteil ihrer Windeneinsätze die Patienten nicht unbedingt liegend transportiert werden mußten.

Ein herkömmliches Rettungsdreieck kam aber wegen des mangelnden Komforts und der bekannten Probleme im Unterkörperbereich auch nicht in Frage. Also wurde Enrico mit der Suche nach einer Lösung beauftragt, und er kam zu mir.

 

Mir fiel als Lösungsansatz spontan der alte Grammingersitz ein, bei dem das Verletztengewicht hauptsächlich durch Tuchteile um die Oberschenkel aufgenommen wird. Wir kombinierten das Ganze mit Teillösungen von einem Rettungsdreieck, unsere Näherei nähte einen Prototypen zusammen und am abend fuhr Enrico mit einem neuen Produkt nach Hause.

Nach nur erstaunlich wenigen Änderungswünschen kam Anfang das Rettungsdreieck TYRAH auf den Markt und verkauft sich da seither recht gut.

Ab 2012 Zusammenarbeit mit Northwall Italien

pneus

Auf der ILA (Internationale Luftfahrtausstellung Berlin) 2012 sah ich etwas, das mich zutiefst erschrecken ließ: Auf einem kleinen Stand präsentierten zwei Italiener etwas, das aus meiner Sicht die schon lange befürchtete Ablöse der Vakuummatratze sein könnte. Sie bliesen mit einem kleinen Druckzylinder ein klein zusammengerolltes Ding auf, das sich daraufhin in eine komplett ebene, steife Patientenunterlage verwandelte. Und das wurde zu allem Überdruss in einen Konkurrenz – Bergesack gelegt. Mein Schreck hatte sich noch nicht gelegt, da tauchte einer der beiden Italiener auf unserem Stand auf. Ich argwöhnte einen Spionageversuch, doch Gian-Luca Martini fragte direkt, ob wir wir zusammenarbeiten wollten. Sofort entstand eine sehr kreative Kooperation, noch während der Messe konzipierten wir einen Bergesack für die Pneuspine, wie das zusammenrollbare Ding hieß.

Gian-Luca und sein Partner Nicola Martini besuchten uns in der Folge einige Male in der Sillschlucht, Ideen flogen hin und her. Bei einem dieser Besuche erprobten wir mit Möglichkeiten, den Bergesack mit der Pneuspine hängend zwischen horizontal und vertikal hin und her verstellen können.

Ich erzählte Herbert Streibel beiläufig von diesen Versuchen, doch es schien ihn nicht besonders zu interessieren.

horvertEinige Zeit später ein Anruf von Herbert: „Du hast doch so ein Zeug zum Verstellen des Bergesackes“ – „Ja“ – „dann komm morgen früh ins ZSA [Ausbildungszentrum Bad Tölz], ich hab 30 Leute aus Norddeutschland da, die brauchen irgend sowas, weil sie Menschen aus Windkraftwerken retten wollen.“

Also fuhr ich nach Bad Tölz, innerhalb eines Vormittags waren alle einig, daß das, was ich mitbrachte die Problemlösung war. Der Prototyp ging noch von diesem Kurs weg an die Waterkant.

Dies war für mich der Einstieg in eine komplett neue Welt:

Ab 2012 Rettung aus Windkraftwerken

Der Bergesack mit der Pneuspine, kombiniert mit dem Horizontal – Vertikal Verstellsystem war eine Lösung, um Menschen in den Türmen durch die Mannlöcher zu bringen, aus dem Generatorhaus zu heben und letztendlich mit dem Hubschrauber von der Anlage zu bergen. Naturgemäß also eine Lösung hauptsächlich für Off – Shore Anlagen.

Der erste Operator, der dieses Rettungsmittel einsetzte war die DRF in Husum, nachdem Nicola und ich dort im Dezember 2012 eine Vorführung bei eisiger Kälte gemacht hatten.

114klAllerdings hatte ich von den Anforderungen in Windkraftanlagen zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, da ich mich bisher ja hauptsächlich mit Bergrettung befasst hatte. Doch die Windkraftleute waren sehr hilfsbereit, und ich versuchte möglichst schnell möglichst viel zu lernen. Andererseits konnte ich auch einiges an Vorschlägen aus dem Alpinbereich einbringen, und so folgte eine ziemlich intensive Entwicklungsphase.

Als nächste Kunden kamen das Havariekommando Bremerhaven, der ADAC Sande und schließlich NHC Helicopters aus Emden dazu. Jede Zusammenarbeit war gleichzeitig eine neue Lernphase für mich, das Thema war und ist wirklich spannend.

anhang-1Im Frühjahr 2015 fuhr ich zu NHC nach Cuxhaven, um am dortigen Schulungsturm eine Einschulung auf das frisch gelieferte Bergesack/Pneuspine System zu machen. Dachte ich. Denn während der Schulung stellte sich heraus, daß da noch eine ganze Menge an Verbesserungswünschen aufkamen. Einer der Teilnehmer machte besonders viele Vorschläge und schien ein äußerst umfangreiches Wissen auf diesem Gebiet zu haben.

 

Zu Mittagessen spendierte NHC Schnitzel, wir setzten uns nebeneinander, es stellte sich heraus, daß der Mann mit den vielen Anregungen nicht einfach Mitarbeiter bei NHC war sondern der Ausbildner – Sascha Linges, damals noch beim Dienstleister SHE. Während wir das Schnitzel verdrückten, begannen wir auf einer Serviette das Grundkonzept einer wesentlich vereinfachten Horizontal – Vertikal Verstellung zu entwerfen. Es dauerte etwas länger und so fragten irgendwann die Schulungsteilnehmer,  ob wir dann mal wieder weitermachen wollten. Aber der Grundstein für eine äußerst produktive Zusammenarbeit und eine wunderbare Freundschaft war gelegt.

Doch nun wieder ab in die Luft.

2014 RBS

rbsRotation von Allem, das an einem Seil unter einem Hubschrauber hängt ist ein Problem, das im Prinzip gleich alt wie der Hubschrauber ist. Besonders ungünstig wirkt sich Rotation natürlich auf einen in einem Bergesack liegenden Patienten aus. Außerdem können, speziell bei Windenmaschinen, erhebliche Schäden am Hubschrauber durch ein heftig rotierendes Windenseil entstehen. Es wurde also schon immer versucht, Vorkehrungen gegen Rotation zu treffen. Das meistverbreitete System, die sogenannte Antirotationsleine oder Tag-line hat den Nachteil, daß erstens ein Bediener am Boden bleiben muß und zweitens durch Fehlbedienungen immer wieder Menschen zu schaden kamen. Es gab auch Versuche, die Sache aerodynamisch in den Griff zu bekommen, hab ich auch früher schon versucht, aber die funktionierten alle nicht verläßlich.

Herbert Streibel beschloss mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit, gemeinsam mit mir einen neuen Anlauf zu versuchen.

Ich entwickelte alle möglichen Varianten mit Segeln, beweglichen Venturidüsen und anderes Zeug, aber nichts wollte funktionieren. Die Bundespolizei in Oberschleißheim half uns bei den Versuchen auf unglaubliche Weise mit Flugzeit. Und etwas zu essen bekamen wir dort auch noch! Als wir also wieder einmal bei einem Mittagessen saßen, beschämt weil wir wieder ohne Ergebnis viel geflogen waren, erwähnte Herbert, daß ihm etwas aufgefallen ist: Wenn er den Verschlußlappen des Bergesackes im Beinbereich hochhob kam ihm vor, daß er eine Drehbewegung hervorrufen könnte. Ich war skeptisch, es war einfach zu einfach. Aber den Versuch war es einfach wert. Wir präparierten einen
Bergesack mit Hilfe von Karton, Klebeband und ähnlichem High tech und gingen unter erheblichen Bedenken des Piloten nochmals in die Luft. rbsEs zeigte sich auf Anhieb Wirkung. Echte und sichere Prototypen wurden in Windeseile gebaut, wir bekamen eine neue Testmöglichkeit und Herbert tanzte in der Luft unter der Puma. Er konnte die Drehrichtung bestimmen wie er wollte, Rotation einleiten und wieder stoppen, wie er wollte !!! Das RBS war geboren und ist heute das mit Abstand verläßlichste Mittel gegen Rotation. Entsprechend viele Bergesäcke sind mittlerweile weltweit damit ausgestattet.

A propos weltweit:

2014 Beginn Zusammenarbeit CASCADE RESCUE USA

Dana Jordan, der Besitzer von Cascade und ich trafen uns erstmals auf der IKAR 2013 in Bol (Kroatien). Wir hatten ein langes Essen miteinander und kamen überein, zusammenarbeiten zu wollen. Obwohl wir teilweise ähnliche Produkte haben fanden wir, daß eine Partnerschaft für beide Vorteile bringen kann.

2015 reiste ich erstmals zu Cascade nach Sandpoint/Idaho, um gemeinsame Produkte zu entwickeln. Daraus entstand die Stable-Flight Hubschraubersacklinie von Cascade und ein Prototyp für eine Gebirgstrage aus Titan.

Doch zurück ins gute, alte Europa. Sascha Linges war mittlerweile zur Firma Mittelmann gewechselt, einer traditionsreichen Firma für Sicherheitstechnik. Mittelmann brachte gerade mit dem Unidrive das erste mit jedem Drehantrieb nutzbare Arbeits- und Abseilgerät auf den Markt.

Das Unidrive und unsere Produkte und Ideen für Rettungsgeräte für beengte Räume (nun auch schon über den Bereich Windkraft hinaus) ergänzten sich prächtig. Die Zusammenarbeit mit Mittelmann und Sascha nahm richtig Fahrt auf, bis…

26.8.2016: kurz im Jenseits angeklopft, Geburtstag.

Im Juni 2918 kam es im Stubaital während einer Übung der Bergrettung zum Bruch eines Beins des Zweibeines. Zum großen Glück ist niemandem etwas passiert, aber die Ursache dieses Bruches war vollkommen unklar.

Um die Ursache möglichst genau zu ermitteln, stiegen wir (einige Mitglieder der Landesleitung der Bergrettung Tirol,  der betroffenen Ortsstelle und ich) ca. 150 Höhenmeter zum kleinen Burgstall in der Schlick auf, um ein baugleiches Zweibein genau an der Stelle des Zwischenfalles aufzustellen. 133Wir arbeiteten auf dem einigermaßen ausgesetzten Felskopf ruhig und konzentriert, hielten alle Details des Schadensherganges fest und stiegen danach in beginnendem Regen wieder ab. Relativ kurz vor den Autos half ich noch einem Bergretter, das Zweibein besser am Rucksack zu befestigen. Wir gingen weiter, ich als Letzter der Gruppe. Beim weiteren Abstieg, kurz vor dem Ziel, verlor ich pötzlich alle Kraft in den Beinen, mein Gesichtsfeld verschwamm und wurde schwarz. Mein Herz hatte aufgehört zu schlagen – plötzlicher Herzstillstand.

Den folgenden Aufschlag mit dem Kopf voraus im Gelände spürte ich bereits nicht mehr, ich war am Weg ins Jenseits.

Doch ich rollte direkt vor die Beine meiner Lebensretter. Florian Schöpf und Florian Rettenbacher, zwei perfekt ausgebildete Rettungssanitäter, begannen sofort mit der Wiederbelebung. Nach 2min45 Reanimation erschien wie aus einem Nebel das Gesicht von Florian Schöpf vor mir.

c1Jochen Tiefengraber flog mich mit Christophorus 1 kurz später in die Uniklinik Innsbruck. Dort stellte man ein angeborene Verwachsung der Aortenklappe fest, die bisher bei keiner Untersuchung, sportmedizinischen Test in Jugend, etc. bemerkt wurde. Nach etwa zwei Wochen erhielt ich in einer 8 Stündigen Operation eine künstliche Aortenklappe und lebe ein zweites Leben. Ich genieße nun jeden Tag, auch in schlechten Zeiten. Ihr werdet am Ende wissen, warum ich das sage.

Gück ist dafür ein viel zu triviales Wort. Ich weiß nicht warum ich direkt vor meine Schutzengel gerollt bin, werde es ihnen aber nie vergessen.

Nach vier Monaten Reha war ich wieder zurück. Einfach, weil ich Freude an meiner Arbeit hatte und mir die vielen Freunde unter unseren Kunden und Partnern gefehlt haben.

Im speziellen richtete sich der Fokus nun wieder Richtung Windenergie und Rettung aus beengten Räumen. Einen großen Anteil hatte daran die immer enger werdende Zusammenarbeit mit Mittelmann, Sascha Linges und dem später neu ins Team gekommenen Michael Seifert.

2016 TYROLL

tyrollSascha suchte nach einer Möglichkeit, den Bergesack einfach und kostengünstig so zu versteifen, daß eine Horizontal – Vertikalverstellung auch ohne die teure und im Handling doch aufwändige Pneuspine möglich zu machen. So entstand die Idee, das alte Rolltragenprinzip in einen Bergesack zu integrieren. Klingt einfach, brachte aber doch einige Schwiegigkeiten mit sich. Andererseits erwies sich Eigenstabilität des Bergesackes als großer Vorteil, da das ungünstige Verdrehen herkömmlicher Rolltragen damit vollkommen eliminiert war. Nun musste noch ein geeignetes Material für die Einlage gefunden und die Form optimiert werden, dann war ein neues Gerät fertig. Heute wird das TYROLL sehr vielfältig engesetzt, vom seinem Ursprungszweck in der Rettung aus Windenergieanlagen über den Tunnelbau in Stuttgart bis zum Rettungsdienst auf der Hallig Hoge.

2017 TYROLL CS und Derivate

csBasierend auf den Erfahrungen mit dem TYROLL entstand zusätzlich der Wunsch nach einer windenfähigen, extrem kompakten Halbtrage für noch beengtere Umgebungen. Nun konnte ich in diesem Bereich bereits auf einen kleinen Baukasten an Entwicklungen zurückgreifen, also kombinierte ich das TYRAH mit einer rollbaren Halbschale.

Später kam noch eine Version mit einem rollbaren Kopfschutz dazu. Eine neue Produktlinie war geboren.

Wieder zurück zu meinem urspünglichen Gebiet der Bergrettung, folgte nun eine intensive Phase der Entwicklung und letztlich ein großer Wurf in die Zukunft:

Entwicklung einer neuen Gebirgstrage aus Leichtmetall.

ikar-chamonix72pAlle bisherigen Tyromont Gebirgstragen waren bisher aus dünnwandigen Stahlrohr gefertigt. Gebirgstragen sind naturgemäß extremen Beanspruchungen ausgesetzt, dazu kommen sehr rauhe Einwirkung von aussen beim Schleifen im Fels, etc.. Andererseits sind die Stückzahlen relativ gering. Daher kann so ein Gerät nur mit einigermaßen konventionellen Möglichkeiten gefertigt werden, um Kosten / Nutzen in einem halbwegs überschaubaren Rahmen für den Kunden zu halten. Ein neues Ovalrohr aus einer schweißbaren, hochfesten Aluminiulegierung und die Absicht eines neuen Mitarbeiters, sich im Aluminimschweißen zu engagieren, eroffneten neue Möglichkeiten.

Von unseren Kunden waren es natürlich wieder Herbert Streibel, aber vor allem auch Franz Haller von der Bergrettung Südtirol, die diese Entwicklung massiv unterstützten.

Nach einigen internen Schwierigkeiten (das Schweißen und der Wille dazu erwiesen sich doch schwieriger) entstanden die ersten Prototypen der…

2018 Gebirgstrage TYRAL

“ich sage oft, wenn mir etwas nicht gefällt, aber das hier gefällt mir ausgezeichnet!” Bruno Jelk auf der IKAR 2018 Chamonix

tyral-1

Alles neu an dieser Gebirgstrage. Sie wiegt die Hälfte der bisherigen Light, hat ein vollkommen neues, extrem einfaches Teilungssystem, eine neue Griffverstellung, eine neue Radstütze mit einem sehr einfachen Andocksystem und ein neues Gurtsystem bzw. die Moglichkeit, einen Bergesack samt Begurtung zu integrieren. Dazu ist die “Neue” steifer und widerstandsfähiger als alle Gebirgstragen vorher.

tyral-2Nicht nur von Bruno Jelk, auch von vielen anderen Bergrettern höre ich nicht ohne Stolz, daß dies die beste Gebirgstrage ist, die ja am Markt war. Folglich war die erste Serie, die schlußendlich 2019 in den Verkauf kam, innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

Als Ergänzung zu dieser Trage startete mit der Bergrettung Südtirol auch ein Projekt, den bestehenden südtiroler Bergesack sowohl an die Gebirgstrage anzudocken als auch für die Fixierung des Verletzten im Rettungsfahrzeug mit Strassenzulassung tauglich zu machen.

Nun erfolgte die Überleitung der Gebirgstrage in die Serienproduktion, die nicht ganz ohne Probleme verlief. Schließlich war aber alles gelöst, und ich lieferte im Juni 2019 die erste Tranche der neuen Gebirgstrage selbst an die Bergwacht Bayern selbst aus. Was für ein schöner Erfolg

Natürlich warteten schon wieder neue, interssante Projekte, doch vorerst ging ich einmal auf Urlaub.

Zwei Tage nach meiner Rückkehr kam ohne jede Vorwarnung am

21.8.2019 die Kündigung durch Tyromont, weil ich das Betriebsklima störe.

Aus, Ende. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen, aber nicht mein Leben.

 

Laden Sie hier das zusammenfassende PDF herunter.

Kontaktieren Sie mich hier per Mail.

Kontakt

Name *

E-Mail *

Telefon

Betreff *

Nachricht *

Nachricht für*
 Egon Veit sr. Egon Veit jr.

Dateiupload (max. 8MB) - erlaubte Datentypen: .gif | .png | .jpg | .jpeg | .pdf | .zip | .rar

Wollen Sie unseren Newsletter abonnieren?

Akzeptieren Sie die Nutzungsbedingungen.*


get in touch…

Archive